Mit etwas mehr Gelassenheit? Das ist hier die Frage

Einer meiner in Erinnerung bleibenden Mama-Momente hat damals in einer der ersten Spielgruppen stattgefunden, die ich mit meiner Kleinen besuchte. Immer donnerstags trafen wir uns um halb zehn mit bis zu zehn anderen Mamis um zu spielen, singen und sich austauschen. Dabei weiß ich noch ganz genau, wie verblüfft ich war, als die erste Stunde Spielgruppe mit innigem Gesang und ganz viel Klatschen begann, und gleichzeitig ich erinnere mich auch noch an die Vorstellungsrunde. Mein Text muss in etwa so gewesen sein: „Hallo, das ist meine Tochter, sie ist jetzt genau 12 Wochen alt…( theoretisch hätte ich auch auch noch sagen können „und 9 Stunden“), ich bin Anna…“ So und nun der nächste bitte. Und da war sie, die Mama eines Mädchens, die bereits eine ältere Tochter hatte und sie meinte, völlig nett und freundlich, dass sie gar nicht genau wüsste, wie viele Wochen ihre Tochter alt sei, eben etwa 9 Monate. „Im Ernst?“ fragte ich mich innerlich. Zählt sie denn nicht die Wochen, wie kleine Meilensteine, mit denen die Kleine immer größer wird – zu der doch immer auch der passende im E-Mail-Posteingang landet? Ich schon. Dazu parallel hatte ich natürlich auch die Bibel aller jungen Mütter, das Buch „O je, ich wachse“, mit dem man ziemlich genau verschiedene Entwicklungsschritte wochengenau nachverfolgen konnte und auch Rat und Beistand fand, wenn sich eben der nächste Sprung anbahnte und die Welt der Kleinen gerade Kopf stand – zugegeben bei uns nie so gravierend, alles im Rahmen. Dennoch hörte man wirklich häufig , leicht belächelnd von Mamis mit mehreren Kindern, man solle sich keine Sorgen machen, beim nächsten Kind sei man gelassener.

Im Ernst? Ist es wirklich nur Gelassenheit? Ich glaube, wenn man zur Zweitmami wird, hat man natürlich schon etwas Erfahrung durch das erste Kind, man erkennt verschiedene Situationen wieder, viele andere sind aber absolut neu. Man weiß vielleicht sicherer, wenn ein Kind zahnt, aber eben auch nur, wenn es ähnlich zahnt, wie ein Geschwisterkind. Im Allgemeinen glaube ich, man ist in vielen Situationen vielleicht wirklich ein bisschen souveräner, aber vielleicht auch eben nur, weil man sie beim ersten Kind schon ein Mal mit Haut und Haaren erlebt hat. Erinnert ihr euch an meine unbequeme Nacht auf dem Teppich? Ich finde es eigentlich klasse, wenn man den Zauber und die Aufregung der neuen Lebenssituation in vollen Zügen miterlebt.

Gleichzeitig darf man auch nicht vergessen, dass man mit mehreren Kindern auch vor neue, ganz andere Herausforderungen gestellt wird. Das beginnt ja schon in der Schwangerschaft bzw. kurz vor der Geburt. Wenn „es los geht“ kann man sich nicht einfach so mit dem Partner auf den Weg ins Krankenhaus machen. Ich weiß noch ganz genau, wie viele Gedanken ich mir gemacht habe, dass meine Schwiegereltern es rechtzeitig zu uns schaffen – und das im Nachhinein berechtigt. Manchmal sind es aber auch nur Alltagssituationen, die einen fordern: das erste Mal einkaufen mit zwei Kindern, das erste Mal mit ihnen zum Kinderarzt. Wie heißt es so schön, man wächst mit seinen Aufgaben und eben auch mit seiner Erfahrung. Ich glaube nicht, dass es jungen Mamis immer an der viel beschriebenen Gelassenheit mangelt, lassen wir sie einfach doch mal selbst ihre Erfahrungen sammeln. Und viele Situationen sind mit einem Kind einfach anders. Ich hab nun mal beim Einkaufen gefühlt eine Hand mehr. Und, im Ernst, soll ich zu Hause mit einer Trommel rumlaufen, damit meine Tochter beim Einschlafen nicht so geräuschempfindlich ist? Ich glaube nicht…